Was für ein Tag! Was für Emotionen! Lange war ich unsicher, ob ich es überhaupt an den Start schaffen würde und nun konnte ich sogar erfolgreich finishen. Aber alles auf Anfang.
Der Wecker klingelte am Renntag bereits um 3.00 Uhr. Um kurz nach 5.00 Uhr wurden wir mit dem Bus am Hotel abgeholt und an den Start beim Leuchtturm in Fuencaliente gebracht. Dort sorgte der Speaker bereits ordentlich für Stimmung und schon beim Einstehen profitierten wir vom exzellenten Service für die Elite-Athleten und wurden ganz vorne reingelassen. Ein sehr spezieller Moment, standen doch neben mir die Topshots der Szene mit Sinclair, Engdahl, Dhinam und vielen weiteren Athleten, die ich sonst nur aus meinem Instafeed kenne.
Mein Ziel für den Wettkampf war der Finish und ich war mir auch am Rennmorgen unsicher, ob dies mit den muskulären Problemen in den Waden möglich sein würde. Deshalb startete ich bewusst verhalten und hikte schon früh in den ganz steilen Passagen um die Waden zu entlasten. Die ersten sieben Kilometer mit 700 Höhenmetern hoch nach Los Canarios waren in knapp 45 Minuten geschafft und mein Gefühl passte. Der Blick zurück mit all den leuchtenden Stirnlampen war einfach nur gewaltig.
Es dämmerte langsam und nun durften endlich auch die Stöcke zum Einsatz kommen. Da die Strecke durch den Nationalpark führt, gab es Passagen, in denen dies verboten war. Als Pflichtmaterial waren lediglich eine Stirnlampe, ein Rücklicht sowie eine Rettungsdecke vorgeschrieben. Supportet durfte so gut wie überall werden. Da wir keine Supporter vor Ort hatten trugen wir das gesamte Material sowie die komplette Verpflegung von Anfang an mit. Sicherlich kein Vorteil aber es ging halt nicht anders.
Das Streckenprofil ist in der Theorie simpel: Ein langer Aufstieg von gut 2100 Höhenmetern gefolgt von einem kurzen Downhill sowie einem flachen Mittelteil bevor es dann in einem stetigen Auf und Ab in Richtung des Dachs der Transvulcania, dem Roque de los Muchachos auf 2400 Metern über Meer, geht. Dort wartet ein ultralanger Downhill zurück ans Meer. Danach folgt nochmals ein kurzer Anstieg hoch ins Ziel nach Los Llanos. Total 73 Kilometer und 4300 positive Höhenmeter.
Die ersten rund 25 Kilometer und 2100 Höhenmeter gingen relativ spurlos an mir vorbei und in El Pilar fühlte ich mich noch immer gut. Genau das war mein Ziel, denn dort startete der Wettkampf erst so richtig. Auch im leicht abfallenden Abschnitt nach El Reventon war ich überrascht, wie zügig ich vorwärts kam. Beim Blick auf die Uhr wurde mir klar, dass ich sogar auf sub 8h Kurs war.
In El Reventon nahm ich mir die Zeit um die Flasks zu füllen, denn nun folgte der lange Abschnitt via Refugio zum Pico de las Nieves. Ab El Pilar kannte ich die Strecke noch bestens vom Marathon aus dem vergangenen Jahr. Die Hitze drückte nun unerbittlich und in weiter Ferne sah man auf der anderen Seite bereits den Roque de los Muchachos. Nun musste ich das erste Mal so richtig leiden.
Mit der Ankunft nach sechs Stunden Renndauer auf dem Roque hatte ich ein weiteres Teilziel erreicht. Bis hierhin habe ich wohl auch verdrängt, dass nun 2500 Höhenmeter am Stück wieder vernichtet werden wollten. In diesem Jahr habe ich erst ein paar wenige Male etwas mehr als 1000 Höhenmeter am Stück vernichtet beziehungsweise konnte nie mehr als 2 Stunden und 45 Minuten joggen. Daher war es nicht verwunderlich, dass meine Kräfte immer mehr schwanden. Gleichzeitig mussten viele Läufer der Marathondistanz überholt werden, was das Ganze etwas kurzweiliger machte. Der Downhill ist definitiv auf der technisch anspruchsvolleren Seite und mit zunehmender Nähe zum Meer wurde es immer wärmer.
Zurück in Tazacorte war ich mir dann sicher, dass ich heute die Ziellinie überqueren werde. Ich kühlte mich nochmals an der VP herunter und füllte die Flasks nach bevor ich mich durch ein trockenes Bachbett in Richtung Ziel kämpfte. Die letzten 350 Höhenmeter gingen nochmals überraschend gut und nach etwas mehr als 8 Stunden und 30 Minuten überquerte ich mit grosser innerer Zufriedenheit die Ziellinie.
Die Rangierung mit Rang 44 Overall war heute Nebensache. Auch in absoluter Topverfassung wäre es heute schwierig gewesen die Top 30 zu knacken. Nicht weniger als sechs Männer pulverisierten den Streckenrekord. Auch dahinter war die Dichte enorm wie noch nie bei diesem Wettkampf. Der Trailsport hat definitiv das nächste Level erreicht. Um im vorderen Teil mitmischen zu können bei einem solchen Feld, braucht es eine perfekte Vorbereitung in Kombination mit einem perfekten Tag. Ich nehme aus dem Wettkampf mit, dass ich auch mit sehr dezimiertem Laufiumfang eine Ultradistanz schaffen kann und das die Verpflegung während des Rennens sehr gut funktioniere. Natürlich möchte ich wissen was möglich ist, wenn ich eine gute Vorbereitung habe. Weiter gehts!
Meine Ausrüstung:
- La Sportiva Prodigio Pro
- Compressport Weste & Belt
- Petzl Bindi Stirnlampe/Rettungsdecke/rotes Rücklicht/Handy
- Leki Ultratrail FX.One Stöcke 125cm
- 3 x 500ml Softflask (1 voll mit Isotonic Energy Plus Lee Sport, zweite gefüllt mit Wasser & 600mg Electolytes in Los Canarios, dritte Flask mit Iso gefüllt in El Reventon. Dazwischen immer Wasser aufgefüllt)
- Ca. 12 Salt Caps à 200mg
- 14 Gels (12 davon gebraucht, davon 2 x 50mg & 1 x 200mg Koffein)
- 4 x ca. 500ml Cola ab Pico de las Nieves
- 2 x ca. 30g Haribo auf dem Pico de las Nieves & Roque de las Muchachos




