Nach dem erfolgreichen Arosa Trailrun wollte ich das perfekte Wetter nochmals bestmöglich für das Training und schöne Runden zu Fuss nutzen. So trainierte ich unter der Woche nochmals spezifisch, arbeitete am Speed in der Fläche und verbrachte das Wochenende in den Bergen. Die Form war nach wie vor da und so freute ich mich auf meine erstmalige Teilnahme in der Lenzerheide anlässlich des Speed Trails über 26 Kilometer mit knapp 1600 Höhenmetern.
Gestartet wurde um 10.30 Uhr in der Biathlon Arena bei perfektem Wetter. Alle Distanzen gingen gemeinsam auf die Strecke und besonders cool war zu sehen, wie die ganz jungen Läufer zu Beginn für eine hohe Pace sorgten. Nach knapp 1,5 Kilometern übernahm ich die Spitze und schlug ein kontrolliertes Tempo an. Beim ersten richtigen Uphill konnte ich mich bereits leicht absetzen.
Der erste Teil des langen Anstiegs auf das Parpaner Rothorn war höllisch steil. So steil, dass ich nach knapp 500 Höhenmetern zu marschieren begann. Der Anstieg würde noch lange dauern und meine Waden würden es mir später danken. Meine Verfolger waren mittlerweile nicht mehr zu sehen und so war ich mir sicher, dass die Pace passte.
Nach knapp fünf Kilometern zeigte die Streckenmarkierung plötzlich nach links. Die Markierungen schienen eindeutig, mein GPX-Track auf der Uhr führte jedoch nach rechts. Innerhalb von Sekunden entschied ich mich, den Markierungen zu folgen. Nach weniger als 300 Metern wurde ich jedoch unsicher und entschloss mich umzukehren, da mir der Streckenverlauf eher nach der 13-Kilometer-Strecke aussah. Mit einem unguten Gefühl lief ich zurück und folgte von nun an dem GPX-Track auf meiner Uhr. Es sollte sich später als die korrekte Entscheidung herausstellen.
Weitere Streckenmarkierungen blieben jedoch aus und ich begann zu zweifeln. Wurde die Strecke kurzfristig angepasst? Mache ich gerade einen Umweg? Sehe ich auf der anderen Seite gleich meine Konkurrenten an mir vorbeiziehen? Hinter mir war ebenfalls niemand mehr zu sehen und auch die entgegenkommenden Biker und Wanderer wussten nichts von Streckenmarkierungen.
Spätestens beim Rothorn sollten wieder Markierungen zu sehen sein und so fokussierte ich mich darauf, meinem GPX-Track zu folgen. Oben angekommen sah ich tatsächlich den Verpflegungsposten sowie die Zeitmessmatte. Etwas desorientiert lief ich knapp neben der Matte durch und erkundigte mich bei den Helfern, ob ich der führende Athlet sei, was mir bestätigt wurde. Die Zeitmessung löste dadurch allerdings nicht aus, wie ich später von mehreren Leuten erfahren musste.
Ich war nun vor allem erleichtert, da ich davon ausging, endlich wieder auf einem markierten Kurs unterwegs zu sein. Den richtigen Weg hinunter ins Tal liess ich mir von den Helfern zeigen. Wenig später musste ich jedoch feststellen, dass weiterhin keinerlei Markierungen angebracht waren. So lief ich weiterhin nach meiner Uhr. Erst knapp fünf Kilometer vor dem Ziel tauchten wieder Streckenmarkierungen auf. Meine Energiereserven und vor allem meine Nerven waren nach über zwei Stunden langsam aufgebraucht und so sehnte ich die Ziellinie immer mehr herbei.
Nach 2 Stunden und 35 Minuten überquerte ich schliesslich doch noch als Sieger die Ziellinie nach einem turbulenten Tag.

