Der Stoos Trail über 46 Kilometer und 2400 Höhenmeter sollte erneut meine erste Saisonhälfte abschliessen. Nach dem verletzungsbedingten Verzicht im Vorjahr schaffte ich es gesund und fit an die Startlinie. Die Vorfreude war riesig und auch die Vorbereitung verlief nach Plan. Das erhöhte natürlich den Druck und ich wollte eine starke Leistung an meinem Heimwettkampf zeigen.
Den frühen Start um 6.00 Uhr schätze ich jedes Jahr, da die Temperaturen selbst im Hochsommer noch angenehm sind. Jedenfalls in den ersten beiden Rennstunden. Die ersten acht Kilometer führen fast flach von der Talstation Schlattli ins Muotathal. Es galt, clever zu laufen. So liess ich nach knapp 500 Metern meinen Trainingskollegen Tobias Baggenstos ziehen, da ich wusste, dass er an diesem Tag in einer eigenen Liga unterwegs sein würde. Etwas überraschend ging ein weiterer Läufer sein Tempo mit. Gemeinsam mit Matthias Schmidig liefen wir knapp dahinter. Nach rund fünf Kilometern hatten wir die Lücke zum anderen Läufer geschlossen und auch Tobi war noch in Sichtweite, was dafür sprach, dass wir gut unterwegs waren. Das Laufgefühl passte ebenfalls und ich fühlte mich stark.
Der erste lange Anstieg mit über 1000 Höhenmetern sollte mir eigentlich liegen und genau dort begann es zu harzen. Ich musste Matthias Schmidig im Singletrail ziehen lassen und meine Oberschenkel fühlten sich ungewöhnlich schwer an. Auf der Asphaltstrasse kam ich ihm nochmals etwas näher, musste ihn dann aber rasch wieder ziehen lassen. Von da an sollte es ein einsames Rennen werden. Die Hitze machte mir zunehmend zu schaffen und auch mein Magen meldete sich. Der verblockte Downhill hinunter zur Alp Goldplangg verlief alles andere als flüssig. Im Nachhinein hätte ich an der Verpflegung bereits auf Cola umstellen sollen, denn im folgenden Auf und Ab wurde mein Magen immer schlechter. Die kurzen Steigungen musste ich nun sogar gehend bewältigen und es kamen doch einige Zweifel auf, ob ich meinen Podestplatz verteidigen konnte.
Glücklicherweise beruhigte sich mein Magen wieder und der Aufstieg hinauf zum Klingenstock verging einigermassen rasch. Ein Blick zurück bestätigte mir, dass ich ein Polster auf den nächsten Verfolger hatte. Auf dem Grat versuchte ich, so gut es ging, es laufen zu lassen und auf den Abschnitten mit den vielen Stufen jeweils die beste Linie zu finden. Es ist jedes Mal ein fantastischer Moment, als einer der Ersten und noch vor den grossen Touristenströmen diesen Abschnitt in Angriff nehmen zu dürfen.
Auf dem Fronalpstock angekommen wurde mir ein Vorsprung von knapp fünf Minuten auf Rang 4 gemeldet. Ich durfte also im langen Downhill zurück nach Brunnen keinesfalls nachlassen. Gleichzeitig warf ich erstmals einen Blick auf die Uhr und war erstaunt, dass ich ähnlich schnell unterwegs war wie bei meinem Sieg im Jahr 2023. Das schlechte Gefühl bedeutete also nicht automatisch eine schlechte Zeit. Mental tat dies in diesem Moment gut und ich konnte nochmals weitere Energie mobilisieren für die letzte Rennstunde.
Auch die Beine fühlten sich nun wieder besser an und das Laufgefühl kehrte zurück. So vergingen die Kilometer erstaunlich schnell. Der kurze Gegenanstieg in Morschach kam mir jedoch wie eine Wand vor und ich hatte das Gefühl, stillzustehen. Nach 4:22 Stunden durfte ich schliesslich die erlösende Ziellinie überqueren und mich über den 3. Rang freuen. Damit ist mein Medaillensatz am Stoos Trail komplett.
Nach einem sehr mühsamen Winter und Frühjahr bin ich froh, dass ich die erste Saisonhälfte doch noch mit zwei guten Rennen abschliessen konnte.


