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Dienstag, 15. September 2026

Arosa Trailrun

Bereits zum vierten Mal nahm ich am Arosa Trail über die 22-Kilometer-Distanz teil. Als Sieger der beiden Vorjahre war mein Ziel klar: Ein weiterer Sieg auf einer meiner Lieblingsstrecken sollte her. Für starke Konkurrenz war jedoch gesorgt und so erwartete ich einen engen Kampf um die Podestplätze.

 


Der Spätsommer zeigte sich erneut von seiner besten Seite und die Bedingungen hätten am Renntag kaum besser sein können. Bereits beim Start um 9.00 Uhr waren die Temperaturen angenehm warm. Von Beginn an schlug Marco Wildhaber eine hohe Pace an und ich versuchte, ihm zu folgen. Leider musste ich ihn früher als erwartet ziehen lassen und bereits beim Seilpark ging eine erste Lücke auf. Meine Beine fühlten sich nicht so gut an wie in den vergangenen Wochen. Deshalb versuchte ich, ruhig zu bleiben und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Die Pace schien dennoch hoch zu sein, denn auch hinter mir öffnete sich eine kleine Lücke zum Verfolgerfeld.

Den Sichtkontakt zu Marco konnte ich weiterhin halten, was mir half, das Tempo hochzuhalten. Dennoch musste ich mir an diesem Tag jeden Meter hinauf zum Bergpreis auf dem Weisshorn hart erarbeiten. Lockerlassen lag nicht drin, denn mein Vorsprung auf die Verfolger betrug weiterhin weniger als eine Minute. Ein kurzer Blick auf die Uhr auf dem Weisshorn zeigte mir jedoch, dass ich trotz des mässigen Laufgefühls schnell unterwegs war.

Es galt, keine Zeit zu verlieren und so stürzte ich mich direkt in den ersten Downhill. Den anschliessenden Gegenanstieg zum Hörnli konnte ich sauber durchlaufen. Ein Blick zurück zeigte mir, dass der Abstand nach hinten mittlerweile beruhigend gross geworden war.

Es folgten noch ein steiler Gegenanstieg sowie der langgezogene Rückweg nach Arosa. Mein Magen machte sich besonders in den Downhillpassagen immer wieder bemerkbar und zwang mich dazu, mich etwas zurückzuhalten. Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel realisierte ich dann, dass erneut eine Zeit unter zwei Stunden möglich war. Einen Kilometer vor der Ziellinie wurde mir sogar klar, dass eine neue persönliche Bestzeit drinliegen könnte. Also zog ich nochmals durch und unterbot meine bisherige Bestzeit aus dem Jahr 2020 um mehr als zwei Minuten.

Das kam für mich doch etwas überraschend, denn während des gesamten Rennens fühlte ich mich nie wirklich top. Umso erfreulicher ist die Erkenntnis: Die Form scheint definitiv zu stimmen.


 

Rangliste


 

Samstag, 5. September 2026

Etzel Challenge

Die Etzel Challenge als mein Heimrennen hatte auch in diesem Jahr einen hohen Stellenwert für mich. So legte ich zusammen mit meinem Coach im Training den Fokus vermehrt auf kürzere Einheiten, um wieder etwas an Speed dazuzugewinnen. Es war spannend zu sehen, wie mein Körper auf die Umstellung von sehr langen Belastungen zurück zu kurzen, hochintensiven Einheiten reagieren würde.

Die Bedingungen am Start um 18.15 Uhr waren erneut ideal und der Spätsommer zeigte sich von seiner besten Seite. Das Rennen wurde in diesem Jahr eher zurückhaltend eröffnet,und so war ich es, der nach wenigen Metern für eine zügige Pace sorgte. Meine Führung war allerdings nach knapp 400 Metern bereits Geschichte. Gossauer zog an mir vorbei und sollte das Rennen erneut mit einer sehr schnellen Zeit für sich entscheiden.

Dahinter blieb das Feld eng beisammen und ich fühlte mich auf dem ersten, eher «flachen» Teil ausgezeichnet. Der steile Firstweg sollte für eine erste Zäsur sorgen und so hielt ich das Tempo in der steilen Rampe bewusst hoch. Schilter zog jedoch an mir vorbei und ich forcierte ebenfalls nochmals das Tempo. Ein weiterer Athlet ging mit und nun musste ich zum ersten Mal ordentlich beissen. Wenig später war ich der einzige Verfolger, während mein Begleiter seinem Effort Tribut zollen musste.




In den flacheren Abschnitten konnte ich den Abstand zu Schilter nochmals leicht verringern, kam aber nicht mehr entscheidend näher. Von hinten drohte ebenfalls keine Gefahr mehr und so durfte ich mich im Ziel über den dritten Rang und eine gute Zeit von 38 Minuten und 30 Sekunden freuen.

Die Form passt definitiv und so freue ich mich auf die noch anstehenden Trailwettkämpfe.



Montag, 17. August 2026

Madrisa Trail

Nach dem Stoos Trail legte ich eine kurze Laufpause ein, um den vierwöchigen Trainingsblock in der Höhe frisch in Angriff nehmen zu können. Beim Laufwiedereinstieg machten sich dann aus dem Nichts neue muskuläre Probleme im hinteren Oberschenkel beziehungsweise in der Kniekehle bemerkbar. Genau so wollte ich definitiv nicht nach Davos ins Trainingslager mit Swiss Athletics reisen. Dank kluger Trainingssteuerung bekam ich die Probleme jedoch schneller als erwartet in den Griff und konnte ausgezeichnet trainieren und von den top Bedingungen profitieren.

Es folgten zwei weitere Wochen in St. Moritz mit meiner eigenen Trainingsgruppe. Es war definitiv der beste Trainingsblock seit Langem und gab mir viel Zuversicht für die kommenden Wettkämpfe. Einzig die Tatsache, dass ich bei der Abreise erneut mit muskulären Problemen, diesmal am Schienbein, zu kämpfen hatte, trübte die Stimmung etwas. Langsam bin ich mir den Umgang damit jedoch gewohnt und so ging ich trotzdem sehr zuversichtlich in Richtung Madrisa Trail T54.

Leider musste die Strecke aufgrund von Gewitterwarnungen am Nachmittag leicht angepasst und verkürzt werden. Im Trainingslager in Davos konnte ich einen Grossteil der Strecke bereits besichtigen und war begeistert von der Streckenführung und der wunderschönen Landschaft.

Bereits beim Start um 05.30 Uhr war es alles andere als kühl. Ich nahm mir deshalb vor, möglichst viele Kräfte für den langen Anstieg hinauf zum Rätschenjoch zu sparen. Es rollte von Beginn an sehr gut und ich konnte ohne grossen Aufwand in der Spitzengruppe mitlaufen. Nach knapp fünf Kilometern schien sich das Feld langsam aufzuteilen und Schicktanz sowie de Lange setzten sich leicht ab. Gemeinsam mit ihnen war noch ein weiterer übermotivierter Athlet unterwegs, den ich nach der Hängebrücke wieder ein- und schliesslich überholen konnte.

Von hinten bekam ich Gesellschaft von Björn Herrmann, mit dem ich nun gemeinsam unterwegs war. Das machte die Kilometer kurzweilig und nach knapp zwei Stunden passierten wir bereits die VP Saaser Alp bei Kilometer 19 oberhalb der Madrisa. Die Pace passte und auf dem folgenden Singletrail konnte ich mich leicht von Björn absetzen.

Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit leichten Magenproblemen zu kämpfen, was die Kombination mit der zunehmenden Hitze nicht angenehmer machte. Der Anstieg hinauf zum Jägglisch Horn verlief noch flüssig, doch der sehr steile Eggberg kostete mich mehr Energie als erwartet.

In Gafia angekommen, kühlte ich mich kräftig herunter und erhielt von meinen Supportern neue Flasks. Genau an jenem Punkt, an dem ich eigentlich noch einigermassen frisch sein wollte, wurde es nun richtig hart. Der Anstieg hinauf zum Rätschenjoch zog sich und ich hikte praktisch den gesamten Anstieg. In der Mitte musste ich Björn Herrmann wieder passieren lassen und rutschte dadurch auf Rang vier ab.

Ein Blick zurück verhiess nichts Gutes und ich rechnete damit, bis zum höchsten Punkt noch mindestens einen weiteren Rang einzubüssen. Die Verpflegungsstation lag nur wenige Höhenmeter unterhalb des höchsten Punkts und ich nahm mir deshalb nochmals genügend Zeit, mich zu verpflegen. Die Beine fühlten sich leer an und ich fragte mich ehrlich gesagt, wie ich den mehr als zehn Kilometer langen Downhill noch überstehen sollte.

Umso erstaunter war ich, als die Beine plötzlich wieder aufmachten und ich mich zunehmend besser fühlte. Ich konnte es nochmals ordentlich laufen lassen und die verbleibenden Kilometer verflogen regelrecht. Auch die letzten zwei leicht aufwärtsführenden Kilometer zurück zum Bahnhof Klosters waren deutlich angenehmer als erwartet. Einzig die Hitze im Tal war brutal und die erlösende Ziellinie dadurch umso schöner.

Noch überraschter war ich im Ziel, als mir mitgeteilt wurde, dass ich den dritten Rang erreicht hatte. Leider hatte sich Björn Herrmann kurz vor dem Ziel verlaufen.

Für mich persönlich habe ich an diesem Tag das Optimum herausgeholt. Noch immer warte ich auf das perfekte 50-Kilometer-Rennen, bei dem wirklich alles ineinandergreift. Die beiden Athleten vor mir wären aber auch bei einem aus meiner Sicht perfekten Rennen ausser Reichweite gewesen.

 


Rangliste


Sonntag, 5. Juli 2026

Stoos Trail

Der Stoos Trail über 46 Kilometer und 2400 Höhenmeter sollte erneut meine erste Saisonhälfte abschliessen. Nach dem verletzungsbedingten Verzicht im Vorjahr schaffte ich es gesund und fit an die Startlinie. Die Vorfreude war riesig und auch die Vorbereitung verlief nach Plan. Das erhöhte natürlich den Druck und ich wollte eine starke Leistung an meinem Heimwettkampf zeigen.

Den frühen Start um 6.00 Uhr schätze ich jedes Jahr, da die Temperaturen selbst im Hochsommer noch angenehm sind. Jedenfalls in den ersten beiden Rennstunden. Die ersten acht Kilometer führen fast flach von der Talstation Schlattli ins Muotathal. Es galt, clever zu laufen. So liess ich nach knapp 500 Metern meinen Trainingskollegen Tobias Baggenstos ziehen, da ich wusste, dass er an diesem Tag in einer eigenen Liga unterwegs sein würde. Etwas überraschend ging ein weiterer Läufer sein Tempo mit. Gemeinsam mit Matthias Schmidig liefen wir knapp dahinter. Nach rund fünf Kilometern hatten wir die Lücke zum anderen Läufer geschlossen und auch Tobi war noch in Sichtweite, was dafür sprach, dass wir gut unterwegs waren. Das Laufgefühl passte ebenfalls und ich fühlte mich stark.

Der erste lange Anstieg mit über 1000 Höhenmetern sollte mir eigentlich liegen und genau dort begann es zu harzen. Ich musste Matthias Schmidig im Singletrail ziehen lassen und meine Oberschenkel fühlten sich ungewöhnlich schwer an. Auf der Asphaltstrasse kam ich ihm nochmals etwas näher, musste ihn dann aber rasch wieder ziehen lassen. Von da an sollte es ein einsames Rennen werden. Die Hitze machte mir zunehmend zu schaffen und auch mein Magen meldete sich. Der verblockte Downhill hinunter zur Alp Goldplangg verlief alles andere als flüssig. Im Nachhinein hätte ich an der Verpflegung bereits auf Cola umstellen sollen, denn im folgenden Auf und Ab wurde mein Magen immer schlechter. Die kurzen Steigungen musste ich nun sogar gehend bewältigen und es kamen doch einige Zweifel auf, ob ich meinen Podestplatz verteidigen konnte.

Glücklicherweise beruhigte sich mein Magen wieder und der Aufstieg hinauf zum Klingenstock verging einigermassen rasch. Ein Blick zurück bestätigte mir, dass ich ein Polster auf den nächsten Verfolger hatte. Auf dem Grat versuchte ich, so gut es ging, es laufen zu lassen und auf den Abschnitten mit den vielen Stufen jeweils die beste Linie zu finden. Es ist jedes Mal ein fantastischer Moment, als einer der Ersten und noch vor den grossen Touristenströmen diesen Abschnitt in Angriff nehmen zu dürfen. 

Auf dem Fronalpstock angekommen wurde mir ein Vorsprung von knapp fünf Minuten auf Rang 4 gemeldet. Ich durfte also im langen Downhill zurück nach Brunnen keinesfalls nachlassen. Gleichzeitig warf ich erstmals einen Blick auf die Uhr und war erstaunt, dass ich ähnlich schnell unterwegs war wie bei meinem Sieg im Jahr 2023. Das schlechte Gefühl bedeutete also nicht automatisch eine schlechte Zeit. Mental tat dies in diesem Moment gut und ich konnte nochmals weitere Energie mobilisieren für die letzte Rennstunde.

Auch die Beine fühlten sich nun wieder besser an und das Laufgefühl kehrte zurück. So vergingen die Kilometer erstaunlich schnell. Der kurze Gegenanstieg in Morschach kam mir jedoch wie eine Wand vor und ich hatte das Gefühl, stillzustehen. Nach 4:22 Stunden durfte ich schliesslich die erlösende Ziellinie überqueren und mich über den 3. Rang freuen. Damit ist mein Medaillensatz am Stoos Trail komplett. 

Nach einem sehr mühsamen Winter und Frühjahr bin ich froh, dass ich die erste Saisonhälfte doch noch mit zwei guten Rennen abschliessen konnte.  

Rangliste

Sonntag, 14. Juni 2026

Pilatus Trail

Nach der Zugerberg Classic ging es endlich wieder aufwärts. So absolvierte ich ein sehr gutes verlängertes Trainingswochenende und auch unter der Woche wurde ich endlich wieder gesund und fühlte mich in den schnellen Einheiten wieder stark. Dadurch konnte ich etwas Selbstvertrauen für den Pilatus Trail am Samstag sammeln. Es sollte mein erster Start an diesem Wettkampf über 8,5 Kilometer und 930 Höhenmeter werden.

Der Sommer meldete sich ebenfalls zurück und beim Start um 9.40 Uhr war es bereits warm. Da ich mich gut fühlte, setzte ich mich gleich an die Spitze und sorgte für ein hohes Tempo. Der erste Kilometer verlief auf einer schmalen Asphaltstrasse, die stetig steiler wurde. Die Spitze war dicht beisammen und als es erstmals in den Wald ging, übernahmen zwei andere Läufer das Tempodiktat. Das Tempo war enorm und als die erste kurze flachere Passage folgte, musste ich bereits eine Lücke entstehen lassen. Die ersten drei Läufer zogen leicht davon und auch im technischen, steilen Uphill konnte ich den Rückstand nicht mehr schliessen. Nicht nur der Tagessieg schien ausser Reichweite zu sein, sondern auch ein Podestplatz.

Den Blickkontakt zu Rang 3 konnte ich jedoch halten und somit gab ich mich noch nicht geschlagen. Gerade in den sehr steilen Abschnitten schien ich aufzuholen. In den flacheren Passagen büsste ich jedoch immer wieder einige Sekunden ein. Bei Rennhälfte war es dann endlich so weit und ich kam tatsächlich nochmals an den Drittplatzierten heran. Ich zog sofort vorbei, konnte mich jedoch nicht entscheidend absetzen. Die steilsten Passagen waren nun vorbei und die Strecke führte in einem stetigen Auf und Ab weiter. Der Kurs war sehr abwechslungsreich und der Trailanteil hoch. Ich versuchte, so gut es ging, die beste Linie über die Wurzeln zu finden und die Lücke nach hinten zu vergrössern. Mein Konkurrent zeigte sich jedoch hartnäckig und kam mir immer wieder gefährlich nahe.

Es folgte ein weiterer kurzer Downhill und ich liess es nochmals ordentlich laufen. Beim Verlassen des Waldes sah ich dann plötzlich den zweitplatzierten Athleten wieder vor mir. Da es nun nochmals kräftig hinauf in Richtung Ziellinie ging, war ich mir sicher, dass ich den Podestplatz nicht mehr aus der Hand geben würde.

Der zeitliche Abstand auf Rang 2 war am Ende grösser, als es unterwegs den Anschein gemacht hatte. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir jedoch, dass mit einem starken Schlussspurt sogar eine Zeit unter 50 Minuten möglich sein müsste. Also zog ich nochmals durch und durfte mich am Ende über Rang 3 freuen.

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Es bleiben noch drei Wochen, um für den Stoos Trail bereit zu sein.

 Rangliste 


Donnerstag, 4. Juni 2026

Zugerberg Classic

Eigentlich war der Start an der Kreuzegg Classic fest eingeplant. Ich verzichtete jedoch auf das Rennen, da ich nach der Entlastungswoche nach dem Transvulcania dringend wieder einige gute Trainingseinheiten absolvieren wollte. Es folgte tatsächlich eine sehr gute Trainingswoche und mein Plan schien aufzugehen. Nicht eingeplant war allerdings, dass ich danach krank werden würde. So krank, dass ich mehrere Tage das Training aussetzen und meinem Körper die nötige Ruhe geben musste. Die zweitägige Schulreise am Montag und Dienstag mit wenig Schlaf trug ebenfalls nicht wirklich zur Erholung bei. Da ich mich bei der Aktivierung am Vortag jedoch gut fühlte, war für mich klar, dass ich einen Start an der Zugerberg Classic wagen würde.

Nach 2022 und 2024 sollte es mein dritter Start in Zug werden. Die familiäre Stimmung sowie die kurze, aber sehr harte Strecke mit 6,5 Kilometern und knapp über 500 Höhenmetern gefallen mir besonders. Das Wetter spielte ebenfalls mit und bei idealen Temperaturen wurden wir um 19.00 Uhr auf die Strecke geschickt. Der erste Kilometer wurde gefühlt extrem schnell angelaufen und ich sortierte mich auf Position 6 ein. Als die eigentliche Steigung begann, schloss ich rasch zu Arnold auf und gemeinsam konnten wir die Verfolgung der beiden Spitzenläufer aufnehmen.

Die Positionen schienen sowohl vor als auch hinter uns bezogen zu sein und so ging es um den verbleibenden Podestplatz. Gerade in den steilsten Abschnitten erhoffte ich mir einen kleinen Vorteil. Nach knapp 3,5 Kilometern wurde die Lücke zu Arnold jedoch grösser und ich musste ihn ziehen lassen. Der Abstand blieb konstant bei wenigen Sekunden und so hoffte ich natürlich, im oberen Teil nochmals zusetzen zu können. Das Atmen fiel mir jedoch sichtlich schwer und auch die Wadenmuskulatur zeigte erste Ermüdungserscheinungen. Beim Einbiegen auf den letzten, eher flachen Schlusskilometer war dann klar, dass ich heute zum dritten Mal mit dem 4. Rang vorliebnehmen musste.

Mit dem Rang und der Zeit kann ich unter diesen Umständen einigermassen leben. Mir war wichtig, endlich wieder ins Renngeschehen eingreifen zu können. 

Rangliste 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Transvulcania Ultramarathon

Was für ein Tag! Was für Emotionen! Lange war ich unsicher, ob ich es überhaupt an den Start schaffen würde und nun konnte ich sogar erfolgreich finishen. Aber alles auf Anfang.

Der Wecker klingelte am Renntag bereits um 3.00 Uhr. Um kurz nach 5.00 Uhr wurden wir mit dem Bus am Hotel abgeholt und an den Start beim Leuchtturm in Fuencaliente gebracht. Dort sorgte der Speaker bereits ordentlich für Stimmung und schon beim Einstehen profitierten wir vom exzellenten Service für die Elite-Athleten und wurden ganz vorne reingelassen. Ein sehr spezieller Moment, standen doch neben mir die Topshots der Szene mit Sinclair, Engdahl, Dhinam und vielen weiteren Athleten, die ich sonst nur aus meinem Instafeed kenne.

Mein Ziel für den Wettkampf war der Finish und ich war mir auch am Rennmorgen unsicher, ob dies mit den muskulären Problemen in den Waden möglich sein würde. Deshalb startete ich bewusst verhalten und hikte schon früh in den ganz steilen Passagen um die Waden zu entlasten. Die ersten sieben Kilometer mit 700 Höhenmetern hoch nach Los Canarios waren in knapp 45 Minuten geschafft und mein Gefühl passte. Der Blick zurück mit all den leuchtenden Stirnlampen war einfach nur gewaltig.

Es dämmerte langsam und nun durften endlich auch die Stöcke zum Einsatz kommen. Da die Strecke durch den Nationalpark führt, gab es Passagen, in denen dies verboten war. Als Pflichtmaterial waren lediglich eine Stirnlampe, ein Rücklicht sowie eine Rettungsdecke vorgeschrieben. Supportet durfte so gut wie überall werden. Da wir keine Supporter vor Ort hatten trugen wir das gesamte Material sowie die komplette Verpflegung von Anfang an mit. Sicherlich kein Vorteil aber es ging halt nicht anders.

 
Photo: @marcogulberti_photography @worldmountainrunningassociation

Das Streckenprofil ist in der Theorie simpel: Ein langer Aufstieg von gut 2100 Höhenmetern gefolgt von einem kurzen Downhill sowie einem flachen Mittelteil bevor es dann in einem stetigen Auf und Ab in Richtung des Dachs der Transvulcania, dem Roque de los Muchachos auf 2400 Metern über Meer, geht. Dort wartet ein ultralanger Downhill zurück ans Meer. Danach folgt nochmals ein kurzer Anstieg hoch ins Ziel nach Los Llanos. Total 73 Kilometer und 4300 positive Höhenmeter.


Die ersten rund 25 Kilometer und 2100 Höhenmeter gingen relativ spurlos an mir vorbei und in El Pilar fühlte ich mich noch immer gut. Genau das war mein Ziel, denn dort startete der Wettkampf erst so richtig. Auch im leicht abfallenden Abschnitt nach El Reventon war ich überrascht, wie zügig ich vorwärts kam. Beim Blick auf die Uhr wurde mir klar, dass ich sogar auf sub 8h Kurs war.

In El Reventon nahm ich mir die Zeit um die Flasks zu füllen, denn nun folgte der lange Abschnitt via Refugio zum Pico de las Nieves. Ab El Pilar kannte ich die Strecke noch bestens vom Marathon aus dem vergangenen Jahr. Die Hitze drückte nun unerbittlich und in weiter Ferne sah man auf der anderen Seite bereits den Roque de los Muchachos. Nun musste ich das erste Mal so richtig leiden.

Mit der Ankunft nach sechs Stunden Renndauer auf dem Roque hatte ich ein weiteres Teilziel erreicht. Bis hierhin habe ich wohl auch verdrängt, dass nun 2500 Höhenmeter am Stück wieder vernichtet werden wollten. In diesem Jahr habe ich erst ein paar wenige Male etwas mehr als 1000 Höhenmeter am Stück vernichtet beziehungsweise konnte nie mehr als 2 Stunden und 45 Minuten joggen. Daher war es nicht verwunderlich, dass meine Kräfte immer mehr schwanden. Gleichzeitig mussten viele Läufer der Marathondistanz überholt werden, was das Ganze etwas kurzweiliger machte. Der Downhill ist definitiv auf der technisch anspruchsvolleren Seite und mit zunehmender Nähe zum Meer wurde es immer wärmer.

Zurück in Tazacorte war ich mir dann sicher, dass ich heute die Ziellinie überqueren werde. Ich kühlte mich nochmals an der VP herunter und füllte die Flasks nach bevor ich mich durch ein trockenes Bachbett in Richtung Ziel kämpfte. Die letzten 350 Höhenmeter gingen nochmals überraschend gut und nach etwas mehr als 8 Stunden und 30 Minuten überquerte ich mit grosser innerer Zufriedenheit die Ziellinie.

Die Rangierung mit Rang 44 Overall war heute Nebensache. Auch in absoluter Topverfassung wäre es heute schwierig gewesen die Top 30 zu knacken. Nicht weniger als sechs Männer pulverisierten den Streckenrekord. Auch dahinter war die Dichte enorm wie noch nie bei diesem Wettkampf. Der Trailsport hat definitiv das nächste Level erreicht. Um im vorderen Teil mitmischen zu können bei einem solchen Feld, braucht es eine perfekte Vorbereitung in Kombination mit einem perfekten Tag. Ich nehme aus dem Wettkampf mit, dass ich auch mit sehr dezimiertem Laufiumfang eine Ultradistanz schaffen kann und das die Verpflegung während des Rennens sehr gut funktioniere. Natürlich möchte ich wissen was möglich ist, wenn ich eine gute Vorbereitung habe. Weiter gehts! 

 Rangliste 

Meine Ausrüstung:

  • La Sportiva Prodigio Pro
  • Compressport Weste & Belt
  • Petzl Bindi Stirnlampe/Rettungsdecke/rotes Rücklicht/Handy 
  • Leki Ultratrail FX.One Stöcke 125cm 
  • 3 x 500ml Softflask (1 voll mit Isotonic Energy Plus Lee Sport, zweite gefüllt mit Wasser & 600mg Electolytes in Los Canarios, dritte Flask mit Iso gefüllt in El Reventon. Dazwischen immer Wasser aufgefüllt)
  • Ca. 12 Salt Caps à 200mg
  • 14 Gels (12 davon gebraucht, davon 2 x 50mg & 1 x 200mg Koffein)
  • 4 x ca. 500ml Cola ab Pico de las Nieves
  • 2 x ca. 30g Haribo auf dem Pico de las Nieves & Roque de las Muchachos